Warum mit der Kirche passiert, was passiert und warum das für uns wichtig ist
Die in immer größerer Zahl an die Öffentlichkeit kommenden Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche erschüttern nicht nur Österreich. Große emotionale Wellen der Enttäuschung, der Trauer, des Schmerzes und der Wut überrollen kollektiv das Land. Leicht ist es, mit den Fingern auf die Priester zu zeigen und zu sagen: Ah! DIE sind die Bösen!
Aber wenn wir dies tun, dann machen wir es uns zu einfach. Und es ist gefährlich. Denn wenn wir mit dem Finger auf die Schatten der anderen zeigen, werden wir blind für unsere eigenen Schatten – und die haben wir alle.
Schuldzuweisung ist kein Fortschritt
Ich hätte mir auch nie träumen lassen, dass ausgerechnet ich als außerhalb der Kirche operierende spirituelle Lehrerin mich darum bemühe, hier wieder ein Gleichgewicht in den Köpfen und Herzen der Menschen herzustellen. Aber ich halte auch die Kirche in meinem Herzen – wie alle Menschen und Systeme auf der Erde.
Schon bei meiner letzten Lesung in Linz war in der Diskussionsrunde die Unversöhnlichkeit mit der katholischen Kirche ein emotional geladenes Thema unter den Teilnehmern. Ja, es stimmt, viele, viele Menschen haben Ungerechtigkeit, haben Beleidigungen, Ausschluss, Beschämung, Unterdrückung bis hin zu eben dem Missbrauch erfahren in der katholischen Kirche. Und ich bin überzeugt, dass die nun öffentlich gewordenen Missbräuche nur eine kleine Zahl der tatsächlich vorgefallenen Begebenheiten sind.
Aber in diesen Anschuldigungen und in den Grenzziehungen „Da sind die Bösen" und "Hier sind die Guten“ stecken zu bleiben, ist kein evolutionärer Fortschritt für die Menschheit, es sorgt nicht dafür, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.
Die Geschichte wiederholt sich
Das merken Menschen schnell, wenn sie von der Kirche in die spirituelle und esoterische Szene wechseln. Sind sie die institutionalisierte Kirche gewöhnt und haben sie selbst die entsprechenden Schatten in sich, werden sie auch in spirituellen Gruppen ähnliche Erfahrungen von Missbrauch und Beschämung anziehen, wie sie es in der Kirche getan haben.
Und jene Menschen, die zu Atheisten werden, an keinen Gott mehr glauben, die erleben ihren Super-Gau eben im Zusammenbruch des Finanzsystems, an das sie geglaubt haben und im Missbrauch des Vertrauens ihrer Finanzberater.
Der Ausschluss der Wirklichkeit schmerzt
Es ist schwer, über das Thema Missbrauch zu schreiben, ohne von vielen sofort missverstanden zu werden, denn gerade bei Kindern fragt man sich sofort: Wie kann sich ein Kind dies gewünscht haben? Ein Kind ist unschuldig und dem hilflos ausgeliefert.
Das stimmt, wenn man nur dieses eine Leben als Bezugsrahmen hernimmt und das Kind außerhalb seiner kollektiven und systemischen Verbundenheit betrachtet und keinen Blick auf seinen Seelenplan wirft. So eine Lebenssicht ist jedoch nicht nur einengend – weil sie 99 % von dem, was IST, ausschließt – sondern bereitet auch große Schmerzen. Eine schmerzvolle Erfahrung tut weh, kann aber in Sekundenschnelle heilen. Erst, wenn man den Sinn darin nicht erkennt, wird es zu einer leidvollen Erfahrung, die das Leben erschwert und zu Depressionen und Unglück führen kann.
Karma in Aktion
Sobald wir unseren Bezugsrahmen erweitern und auch die Vorleben mit hinein nehmen in unsere Betrachtungsweise, können wir beispielsweise sehen, dass manche Menschen sich Missbrauchserfahrungen als Seele für dieses Leben selbst gewählt haben, um einen eigenen in einem früheren Leben durchgeführten Missbrauch auszugleichen. Das nennt man gelebtes Karma.
In allen Sitzungen, die ich je durchgeführt habe, in denen Menschen ihr Karma, das sie selbst gefunden haben, loslassen konnten, trat großer Frieden ein, die Menschen konnten vergeben, zuallererst sich selbst, dann den anderen, konnten erkennen, dass der Täter aus seiner inneren Opferenergie heraus zum Täter wurde und das Opfer aus einer innewohnenden Täterenergie zum Opfer wurde.
Der alte, dunkle Rucksack wird abgelegt
Wer diese Zusammenhänge verstehen kann, der kann sich dem allgemeinen Tenor der Verteufelungen solcher Umstände nicht mehr anschließen. Wir allen sind oder waren über lange, lange Jahrhunderte Teil der katholischen Kirche und wir sind immer noch auch Teil anderer Systeme, in denen dieselben Regeln wirken.
Die aktuelle Zeitqualität auf der Erde und der Aufstiegsprozess, der sich seinem Höhepunkt langsam nähert, bringt es mit sich, dass alle alten „offenen Rechnungen“ immer vehementer auf Erlösung drängen. Wir können uns das vorstellen wie einen schweren, dunklen Rucksack, den wir in uns tragen und der abgelegt werden soll, wenn die Zeit endet und wir nach dem Punkt 0 auf der Erde wieder neu beginnen.
Die Zeit der Kristallisation
Auch andere Energiearbeiter bemerken die Tendenz, dass sich vor allem karmische offene Themen „zusammenschieben“. War es früher so, dass Klienten zu dieser Zeit mal diese karmische Sache auflösten und nach einiger Zeit jedes karmische Thema aufklärten, so ist es heute oft so, dass ich mit Klienten in einer einzigen Sitzung zu einem Konglomerat an Lebensproblemen die gesamte karmische Zeitleiste abreise und wir alles klären, was sich zu diesem Thema zusammen geschoben hat auf diesen einen Kristallisationspunkt.
Genauso wie die Erde sich durch Erdbeben und Vulkanausbrüche das, was sich im Inneren zusammen geschoben hat, nach außen bringt, „speien“ auch wir diese ungeheilten Themen und ungelösten Täter-Opfer-Themen an die Oberfläche. Es ist Reinigungszeit.
Es war einmal… der Mensch
HEs war einmal…. der Mensch, hieß eine Kindersendung in meinen Jugendtagen und im Titelsong gab es, wenn ich mich recht erinnere, eine Textzeile, die ging so: „Tausend Jahre sind ein Tag“. Unsere Tage heute sind Kristallisationstage, in denen sich alles „offene“, alle „Schatten“, alle Konflikte der Dualität zusammenschieben auf einen Punkt, den Null-Punkt.
In diesem Nullpunkt, vor dem wir uns so fürchten – ist Frieden, denn der Nullpunkt macht uns bereit für eine andere Art des Lebens und Seins – weg von einer horizontalen Haltung und Seinsweise zu einer Vertikalen. Einheit statt Dualität.
Das schmerzhafte Spiel von Täter und Opfer
Die „bösen“ und machtvollen Männer der Kirche als Täter standen den armen Frauen, die ausgeschlossen wurden und den Kindern, die missbraucht wurden, als Opfer gegenüber und ziemlich sicher, waren jene, die in diesem Opfer sind und waren, irgendwann AUCH einmal auf der Gegenseite. Ein Spiel. Ein schmerzhaftes Spiel. Dieses schmerzhafte Spiel beenden können wir nur, wenn wir selbst uns nicht auf die Seite der „Guten“ stellen oder auf jene der „Opfer“, denn jedes Opfer muss irgendwann wieder zum Täter werden, um die Energien auszugleichen.
Unsere innere Mitte, in der wir ruhig stehen und auf dieses unglückliche Spiel schauen können, dass wir dereinst gewählt haben, um uns als Menschen auszudrücken, ermöglicht es uns, ruhig zu werden und Frieden zu finden. Uns mit unserem höheren Geist zu verbinden, der uns zeigt, dass in allem Liebe ist, die Liebe, die uns die Freiheit gegeben hat, auszuprobieren, wie tief wir fallen und wie hoch wir steigen können.
Das maximal Gute und das maximal Böse in uns
Alle tragen wir das maximal Gute und das maximal Böse in uns, sagten die Engel einmal in einem meiner Workshops. Wenn wir verdrängen, was an „Bösem“ in uns ist, dann werden wir es leben müssen, ob wir wollen oder nicht, und wir werden es oft genug nicht einmal bemerken, dass wir es tun. Genauso wie die Kirchenmänner, die aufgrund des Zölibats ihre Sexualität verdrängen mussten, gezwungen waren, sie auf so unglückliche Art und Weise leben zu müssen.
Auch die Priester sind, bevor sie von ihnen abhängige Kinder missbraucht haben, von der Kirche missbraucht worden, von der sie abhängig sind. Die sexuelle Enthaltsamkeit ist für jemanden, der wirklich im spirituellen Sein aufgeht, in der Verbindung mit dem Göttlichen aufgeht, ganz normal und freiwillig, weil es viele andere Wege gibt, seine vitale Lebenskraft fließen zu lassen.
Aber die Kirche war nicht daran interessiert, gesunde Männer in ihren Dienst zu rufen und sie gesund zu erhalten, sondern gedemütigte und gehorsame Arbeitstiere zu schaffen, die von ihrer Lebenskraft abgeschnitten wurden. Sie haben nicht die richtige Anleitung erhalten, wie sie wirklich eine heilige Verbindung in sich zum Göttlichen aufbauen können, die ihren Vitalfluss gesund erhält.
Der Schatten der Kirche als Spiegel für uns
Ziehen wir den Zeigefinger, den wir gegen all die Männer in der Kirche erhoben haben, zurück – denn wir haben es alle nicht gelernt.
Deshalb sollten wir das Auftauchen dieses großen Schattenbildes innerhalb der Kirche nutzen, um auf uns selbst zu schauen. Welche Impulse, Gefühle, Gedanken verdränge ICH – und lebe sie dadurch krankhaft aus? Wo sind meine blinden Flecken? Welche Schatten will ich an mir nicht wahrhaben, welche projiziere ich auf andere? Alles, was ich an anderen kritisiere, verurteile, ablehne, nicht mag – all das existiert auch in mir.
Alle wollen wir ja erleuchtet werden, heilig werden – oder zumindest wollen wir positiv sein und glücklich, aber wir vergessen, dass wir um erleuchtet oder heilig oder auch nur glücklich werden zu können, eins sein müssen mit allem. Und alles ist eben auch alles, das Gute, das Schlechte, diese Seite, jene Seite. Das bedeutet nicht, dass wir das Böse leben müssen, dass wir Missbrauch und Gewalt leben sollen – aber solange wir es auch diese Seite nicht in unser mitfühlendes Herz genommen haben, solange haben wir gar keine Wahl, solange müssen wir.
Auch die Kirche hat in der Dualität gelebt und während sie nach Außen das Heilige lebte, musste im Innen das Dunkel entstehen, um die Balance wieder herzustellen. In all den letzten Jahrtausenden war die Dualität die Wirkkraft, der niemand entkommen konnte, auch die Kirche nicht. So sind wir alle jetzt aufgefordert, nicht nur das Licht, Gute, Heilige zu wollen, sondern auch das Dunkle zu ehren und anzuerkennen als Kraft, die eine Balance herstellt und wenn dies erreicht ist, dann gehen wir alle darüber hinaus in eine Welt ohne Dualität.
Christine,
die ihre Klienten dabei unterstützt, den Nullpunkt zu erreichen und die vertikale Art des Seins zu leben