Wir, die Erben des Krieges
Die Anfragen nach Beratungen zu offenen Themen aus dem zweiten Weltkrieg häufen sich seit Ende 2009. Die Energien aus jener Zeit sind in Bewegung gekommen und wollen nun gelöst werden, es ist an der Zeit, über ein weiteres Tabuthema einen Blogeintrag zu schreiben.
Die aktuellen Energiewandlungen auf der Erde bringen etwas ans Tageslicht, dass Österreich genauso wie Deutschland am liebsten ewig begraben sähe: Die Opfer- und Täterfrage des zweiten Weltkrieges mit allen Themen, die damit zusammenhängen. Im Süden des Burgenlandes hat die Genehmigung eines dritten Asylaufnahmezentrums große Wellen geschlagen, wobei die Genehmigung des Zentrums genauso heimlich vonstatten gegangen ist wie die Nachwirkungen des Krieges heimlich im Unterbewussten der Menschen als Einzelpersonen, Familien und Gesellschaft schlummern.
Das kollektive Erbe tritt ans Licht
Mit den aktuellen Erdqualitäten werden diese Energien ans Licht gehoben und sie zeigen uns, dass wir nicht verarbeitet haben. Wir haben nicht betrauert, nicht verziehen, wir haben nicht geheilt. Weil vor dem natürlichen Heilungsprozess die Schuldfrage steht, die für viele zu schmerzhaft ist, um sie näher anzuschauen. Keine andere geschichtliche Begebenheit hat für eine ganze Gesellschaft so eine schwierige Situation hinterlassen wie die, dass man so unmittelbar sowohl zu den Tätern wie auch den Opfern gehört hat und neben dem Problem, in der Aufbauzeit keine Zeit gefunden zu haben, um zu trauern, gibt es das Problem, dass man nicht weiß, wo man sich zuordnen und wo man anfangen soll, zu heilen.
Die Familiensysteme brechen auf
Die deutsche Journalistin Sabine Bode hat mit ihren Büchern über die „German Angst“ das Thema vor einigen Jahren erstmals aus der Tabuzone gehoben. Dank ihr gibt es heute – so viele Jahre nach Ende des Krieges – zumindest einen journalistischen Boden für diese Auseinandersetzung.
Sabine Bode hat unter anderem festgestellt, dass die heutige Kriegsenkelgeneration ganz bestimmte Wesensmerkmale aufzeigt, die auf eine nachhaltige Kriegstraumatisierung in der zweiten Generation hinweisen. Alle, alle waren wir in irgendeiner Weise am Krieg beteiligt über unsere Großväter, Großmütter, wir haben Täter in der Familie, wir haben Opfer in der Familie. Oft genug ist das Erlebte unaussprechlich und lebt als codierte Botschaft, als Familiengeheimnis im Familienbewusstsein fort, ohne dass es jemals ausgesprochen wird.
Dennoch ist die Energie da und bringt die Mitglieder der Familie dazu, auf ganz bestimmte Art und Weise zu agieren. Von unerklärlichen Träumen über psychosomatische Krankheiten bis hin zu Verhaltensweisen, die man hat, sie sich aber nicht erklären kann, weil sie nicht zum Rest der Persönlichkeit passen, ist die Palette der Symptomatik groß.
Die Ahnen-Angst
Schon bei meinem Ahnenfluss-Artikel in diesem Blog wurde mir durch eine Reaktion eines Lesers klar, dass viele Menschen enorme Angst vor ihren Ahnen haben und es ihnen nicht möglich ist, die Ahnenenergie durch sich fließen zu lassen.
Wie auch, wenn man weiß, dass der Großvater andere Menschen getötet hat im Krieg. Wie soll man diese Energie annehmen? Wie lebt man in der Gewissheit, die Gene in sich zu tragen, die zu dieser Massenvernichtung geführt hat? Aber wir werden in die Pflicht genommen, Verantwortung zu übernehmen für das, was wir sind und das, was wir waren.
Waren wir die Ahnen?
Verstärkt begegnen mir Menschen, die plötzlich ein früheres Leben erinnern können, das im zweiten Weltkrieg stattfand. Sie waren selbst mittendrin im Geschehen und haben ihren Teil zum Geschehen beigetragen. Wie geht man mit dieser Entdeckung um, wenn über das kollektive Kriegserbe so ein kollektives Schweigen gebreitet wird?
In vielen Fällen waren wir bereits einmal Teil der Ahnenreihe, in manchen Fällen begleiten uns die Ahnen als Seelen, weil sie auf Absolution warten. Sie haben gemordet oder wurden ermordet und kommen bis heute mit dieser Situation nicht zurecht. Sie warten auf Vergebung und Absolution, um ihren Seelenweg weiterzugehen. Sie sehen, dass wir schweigen, dass wir nicht mitfühlen, dass wir sie nicht in unser Herz schließen können, dass wir den Ahnenfluss verweigern. Und ihn erst recht dadurch leben müssen.
Eine Generation ohne Großväter – oder doch nicht?
So wie viele unserer Eltern ohne Väter aufgewachsen sind, wachsen viele von uns, der Enkelgeneration, ohne Großväter auf. Zumindest schaut es auf irdischer Ebene so aus. Mit einem hellwahrnehmenden Blick auf die Situation zeigt sich, dass die Großväter noch unter uns sind und ruhelos nach Vergebung suchen. Je bewusster wir sind, umso eher nehmen wir sie wahr, erkennen, dass sie nicht zum Fürchten sind, sondern nur in unser Herzen genommen werden wollen, geliebt und verstanden werden wollen für das unlösbare Dilemma, in das sie durch die Machtübernahme Hitlers gebracht wurden.
Viele Menschen leben ihre Großväter, weil sie sich nach der Ankunft im Familiensystem der unsichtbaren und tabuisierend aus dem System verdrängten Energie als Kanal zur Verfügung stellen. Dann kann es schon mal sein, dass eines der Kinder in der Familie die typischen Verhaltensweisen des Großvaters zeigt, dass es ständig nach ihm fragt und von ihm träumt, dass das Kind ständig umzieht, weil es die Fluchtenergie des Großvaters lebt und so weiter.
Die Klärung in Liebe
Das geplante Asylzentrum im Südosten Österreichs schlägt in ganz Österreich hohe Wellen. Die Emotionalität, die Aggressionen, die Abwehr, die Ablehnung zeigt, dass wir als Nachkommen einer Kriegsgeneration nicht verarbeitet haben. Vor etwas mehr als fünfzig Jahren waren viele unserer Vorfahren selbst Flüchtlinge, aber es sorgten auch viele unserer Vorfahren dafür, dass Menschen in anderen Ländern Asyl suchen mussten. Die über Generationen aufgestaute Wut, die Aggressionen, der Schmerz, die Schuldgefühle, das Entsetzen und die Trauer lösen sich nicht von alleine – die Zeit lässt vielleicht Gras drüber wachsen, aber Wunden heilt sie keine.
Also sind wir jetzt aufgefordert, diese Arbeit zu übernehmen. Wir müssen von unserer Verteufelung des Bösen herabsteigen und auch die dunkle Seite des Menschseins, die sich zu dieser Zeit in seiner ganzen Vielfalt gezeigt hat, vergeben, ins Herz nehmen und loslassen, damit wir weitergehen können von einer latent gewalttätigen Gesellschaft zu einer wirklich gelösten, freien Gesellschaft.
Dass ihr aus diesem schweren Erbe mit Liebe im Herzen für euch und eure Ahnen hervorgehen könnt
wünscht euch
Christine,
die mit ihren Klienten den Weg zum Frieden aus den Schrecken des zweiten Weltkrieges geht