"ER ist noch nicht so weit!"
Kaum einen Satz habe ich in Beziehungsberatungen öfter gehört als diesen. „Mein Mann ist leider so ganz und gar nicht für Spiritualität und Bewusstseinserweiterung zu begeistern“ höre ich weiters. Oder auch sehr gängig: „Er ist leider noch nicht so weit entwickelt wie ich!“. Zeit ein paar Irrtümer auszuräumen, die das Thema gemeinsame spirituelle Entwicklung von Paaren betrifft.
Der Partner - ein Zwilling?
Den obigen Aussagen geht die Grundannahme voraus, dass unser Partner uns folgen muss, egal, wohin wir gehen. Er muss sich außerdem genau zur selben Zeit im selben Tempo mit uns weiterentwickeln und im Übrigen wissen WIR – und das können Frauen wie Männer sein – genau, wie dies zu geschehen hat. Der Partner wird als Zwilling betrachtet, als Fortsatz des eigenen Energiefeldes, der sich postwendend der eigenen Entwicklung anzugleichen hat. Das ist vermessen, bevormundend und beurteilend und hat mit Spiritualität im eigentlichen Sinne nicht wirklich viel zu tun.
Oder doch eher ein Spiegel?
Jeder Mensch ist ausschließlich und in erster Linie für sich selbst verantwortlich. Wenn ich mich wirklich weiterentwickle – und es nicht vorspiele – dann wird sich auch mein Umfeld danach verändern ohne dass ich die anderen Menschen aus der Erde ziehen muss wie eine Karotte. Wenn ich mich um meine eigenen Themen kümmere, meine eigene Freiheit und Selbständigkeit entwickle, ist es unwahrscheinlich, dass ich mit einem Partner leben werde, der mich einschränkt oder in meiner Entwicklung behindert, weil es keine Resonanz in mir zu so einem Menschen gibt.
Liebe kennt keine Gesetze und keine Zeit
Wie kann es geschehen, dass spirituelle Menschen im Namen der Spiritualität den spirituellen Aspekt der Beziehung ganz aus den Augen verlieren? Wenn sich Kindheitsprogramme aktivieren, beispielsweise. Oder karmische Verträge wirksam werden. Oder die Ahnenenergie in falschen Bahnen fließt. Dann kann es schon sein, dass man den Überblick in einer Beziehung verliert und anfängt, um sich zu schlagen. In vielen Fällen wird es Kontrollzwang sein. Wenn ein Mensch immer genau wissen muss, was der andere Partner tut, denkt, fühlt, plant und den Bewusstwerdungsprozess nicht dazu nutzt, diese Charaktereigenschaft zu verändern, dann wird er auch versuchen, den anderen in spiritueller Hinsicht zu kontrollieren.
Die erste Lektion für ein glückliches Leben – liebe!
Spiritualität, geistige, bewusste Entwicklung hat zum Ziel, dass man frei wird von weltlichen Abhängigkeiten und Bindungen – und sie dadurch erst in aller Tiefe erleben und erfassen kann. Ein bewusstes, spirituelles Leben zu beginnen bedeutet zwangsläufig, dass sich Beziehungen verändern. Im Idealfall, wenn beide offen und ehrlich sind und jeder Verantwortung für seine eigenen ungeklärten Themen übernimmt, wird die Beziehung klar, ehrlich und ein Quell von Freude, Befriedigung und gemeinsamen Wachstum werden. In allen anderen Fällen wird Spiritualität zu einem genauso scharfen Werkzeug wie jedes andere Mittel, mit dem man in einen Machtkampf geht.